Eine Geisha ist eine japanische Prostituierte. Eine Edelnutte. Eine Hure für die gehobene Klasse.

Dergleichen wird man zu hören kriegen, wenn man im europäischen Raum nach der Definition des Wortes „Geisha“ fragt.

Doch wie viel ist dran an diesem Mythos?

Stimmt es, dass sich Geishas für Geld ausziehen, und zu Tarifen von bis zu 10000 Euro mit ihren Kunden schlafen?

Nun, gehen wir der Sache gemeinsam auf die Spur.

Lassen sie sich in eine geheimnisvolle Welt entführen. Eine Welt, gespickt mit Traditionen, die uns Europäer gleichermassen verwirren, wie faszinieren.

Die Welt der Geishas.

Eine Geisha ist eine Unterhaltungsdame.

Sie arbeitet in japanischen Teehäusern, ist aber auch für Privatpartys zu haben.

Sie ist in vielen Künsten ausgebildet. Unter anderem Gesang und Tanz. Sie ist eine herrliche Rednerin, und beherrscht mindestens ein Musikinstrument. Dabei benimmt sie sich immer genau nach den strengen Regeln der japanischen Etikette.

Sexuelle Dienste fallen jedoch nicht in ihr Repertoire. Keine ernsthafte Geisha wird auf Vorschläge dieser Richtung eingehen.

Doch woher kommt dann der Mythos, dass Geishas Prostituierte sind?

 

Nun, um das zu verstehen, müssen wir zuerst einmal einen Blick in die Vergangenheit werfen. Eine Zeit, in der sich Samurais noch selbst den Bauch aufschlitzten, wenn sie unehrenhaft gehandelt hatten.

Ins 17. Jahrhundert. Die Edo-Ära.

Wie in nahezu jedem Land der Welt, gab es auch in Japan zu dieser Zeit Prostituierte.

Grob gesehen konnte man sie in zwei Sparten aufteilen.

Die Dirnen.

Und die Kurtisanen.

Dirnen waren normale Prostituierte. Sie hockten tagein tagaus in Schaufenstern, welche mit Gittern verriegelt waren, damit sie nicht flüchten konnte. Wie Puppen mussten sie da knien. Still. Die Augen nach vorn gerichtet. Den lüsternen Blicken der Männer ausgesetzt.

Solange, bis einer von ihnen ihr Martyrium für ein paar Minuten unterbrach, um sie in ein viel grösseres zu entführen. Danach ging es zurück ins Schaufenster.

An solch eine Prostituierte zu kommen war einfach.

Man zahlte. Dann durfte man drüber rutschen. Und fertig. Niemand hat was gesehen.

So wie heute auch.

Kurtisanen waren da etwas delikater.

Auf sie würde der Begriff „Edelnutte“ am ehesten passen.

Wie alle Frauen die für Geld zu haben waren, hatten auch sie ihren Wohnsitz in einem Vergnügungsviertel. Einem sogenannten „Yoshiwara“.

 

Was ist ein Yoshiwara?

Yoshiwaras bestanden meistens aus einer Hauptstrasse. Dort befanden sich die beschriebenen Bordelle mit den Schaufenstern. Aber auch Teehäuser und andere Geschäfte.

Yoshiwaras waren beliebte Ausflugsziele für Familien. Dort war immer etwas los. Es gab Märkte, Strassenkünstler und vieles mehr. Aber am meisten zog es Männer an. Männer die Lust auf Fleisch hatten. Frauenfleisch.

Wenn sich die Nacht über das Vergnügungsviertel senkte, kamen sie mit in die Stirn gezogenen Hüten durchs Tor herein, und sahen sich nach „Vergnügungsmöglichkeiten“ um.

Die meisten nahmen sich eine einfache Dirne.

Die Besserverdiener dagegen bevorzugten Kurtisanen.

Eine Kurtisane war, wie bereits erwähnt, eine Edelhure. Ausser im hohen Preis, unterschieden sie sich von ihren einfachen Kolleginnen unter anderem durch ihre hohen Kunstfertigkeiten, wie singen und tanzen, die sie in die gemeinsame Zeit mit dem Kunden einfliessen liessen.

Kurtisanen boten ihren Kunden also ausser dem üblichen Geschlechtsakt, auch noch stilvolle Unterhaltung.

 

Auf diesem Bild ist eine Kurtisane zu sehen.

Man erkennt sie an ihrem Bett, das aus 4 übereinander gestapelten Foutons besteht. Zur damaligen Zeit besassen nur Kurtisanen solche Betten

Wollte ein Mann nun eine Kurtisane buchen, so ging er zum Teehaus in dem diese arbeitete, und stellte einen Antrag.

War die Kurtisane noch frei, so wurde er in einen Raum gebracht, in dem er auf sie warten musste. Das konnte sehr lange dauern. Je höher der Rang der Kurtisane, desto länger musste er warten. Manchmal stundenlang.

Die Kurtisane wurde nun darüber in Kentniss gesetzt, dass ein Kunde im Teehaus auf sie wartete. Sie machte sich fertig, wobei sie sich schön Zeit liess. Sie nahm ein Bad. Schminkte sich. Kleidete sich an, was über eine Stunde in Anspruch nehmen konnte.

Um dem Kunden die Wartezeit zu verkürzen, bot das Teehaus eine breite Palette an Möglichkeiten.

Und genau hier liegt die Wiege der Geisha.

Damals gab es Männer, die extra dafür da waren, die Kunden der Kurtisanen zu unterhalten, während sie auf die Dame warteten.

Diese Männer wurden „Geisha“ genannt.

Jawohl. Geisha war ursprünglich ein Männerberuf.

Denn anders als in unserem westlichen Sprachgebrauch, hat das Wort Geisha im japanischen keine Zugehörigkeit zum Männlichen oder Weiblichen.

Geisha setzt sich aus den japanischen Wörtern „gei“ (Kunst) und „sha“ (Person) zusammen, und bedeutet soviel wie: Eine in der Kunst bewanderte Person.

Der Name Geisha ist also eine Beschreibung für einen Menschen, der eine Kunst ausübt.

 

Und genau das taten die männlichen Geishas. Sie sangen, spielten Musikinstrumente, amüsierten die Kunden mit Erzählungen, und rissen Possen.

Zusätzlich zu den Diensten der Geishas, bot das Teehaus den Kunden beste Verpflegung und kredenzte ihnen edelste Speisen. Und nicht zu vergessen, den berühmten Sake (Reisschnaps).

All das hatte einen Zweck. Dem Kunden vor dem Erscheinen der Kurtisane möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

Aus diesem Grund waren ihre Saketassen immer gefüllt. Ein betrunkener Kunde ist ausgelassener. Und wer im Vergnügungsviertel ausgelassen war, kehrte mit leeren Taschen heim.

 

Auf diesem Holzschnitt sehen wir eine männliche Geisha. Sie wurden auch noch als "Taikomochi" bezeichnet. Das bedeutet soviel wie "Trommelträger". Dieser Name kommt daher, dass Taikomochis immer eine kleine Trommel bei sich trugen.

Ihre Ähnlichkeit zur heutigen Geisha lässt sich nicht leugnen.

 

Wenn dann endlich die Kurtisane erschien, hatte das Teehaus schon eine Menge Kapital aus dem Kunden geschlagen.

Die Geishas verabschiedeten sich, und die Bediensteten liessen den Kunden mit der Kurtisane allein.

Diese unterhielt sich mit ihm, spielte ihm etwas auf einem Instrument vor, sang, oder spielte eine Partie Go, ein japanisches Brettspiel, mit ihm.

Die Kurtisane blieb so lange bei ihrem Kunden, wie dieser es wünschte. Doch mit ihr ins Bett durfte er an diesem Abend nicht. Eine Kurtisane schlief nie am ersten Abend mit einem Kunden.

War sie ihm wohlgesinnt, vielleicht am Zweiten. War sie es nicht, erst am Dritten oder Vierten.

Bei hochrangigen Kurtisanen kam es durchaus vor, dass die Männer vor dem finanziellen Ruin standen, bevor sie zum Schuss kamen.

Der Mann kehrte also immer wieder zur Kurtisane zurück, bis sie ihn endlich ran liess.

Doch dieser Geschlechtsakt verlief etwas anders man es sich heute vorstellt.

 

Die Kurtisane sowie ihr Kunde blieben dabei voll bekleidet. Die Kurtisane nackt zu sehen wäre einem Sakrileg gleich gekommen.

Der Kunde durfte zwar in die Kurtisane eindringen, begrapschen oder gar küssen war jedoch tabu. Das wäre nicht nur unschicklich gewesen, sondern hätte zudem ihre Schminke zerstört, und die aufwändige Frisur durcheinander gebracht.

Für diese, eher niederen Gelüste, gab es Mädchen, die „Kamuro“ genannt wurden. Sie waren beim Geschlechtsakt anwesend, und durften vom Mann geküsst und berührt werden.

Die Arbeit der Kurtisane beschränkte sich darauf, dem Kunden durch Bewegungen ihres Körpers höchstmöglichen Genuss zu verschaffen. War sie doch in sämtlichen Liebestechniken ausgebildet.

 

Wie errechnete man, wieviel der Kunde zu bezahlen hatte?

 

Nun, damals gab es freilich noch keine Uhren. Stundentarife hatten die Kurtisanen demnach also nicht. Doch man wusste sich anderweitig zu behelfen.

Sobald die Kurtisane beim Kunden erschien, wurde ein Räucherstäbchen angezündet, welches um die 20 Minuten brannte. War dieses ausgebrannt, zündete man ein weiteres an.

Wenn die Kurtisane ging, errechnete man anhand der verbrauchten Räucherstäbchen den Preis, den der Kunde zu bezahlen hatte.

Je nach Rang der Kurtisane, kostete ein Räucherstäbchen mal mehr oder weniger.

 

Beispiel:

 

Kurtisane A ---------- normale Kurtisane ---------- 1000 Yen pro Räucherstäbchen
Kurtisane Y ---------- ranghohe Kurtisane ---------- 5000 Yen pro Räucherstäbchen
Kurtisane N ---------- berühmte Kurtisane ---------- 20000 Yen pro Räucherstäbchen

Doch kommen wir jetzt zu dem Punkt, an dem der Beruf der Geisha entsteht, wie wir ihn heute kennen.

Wir befinden uns in Japan des 17. Jahrhunderts. Die Vergnügungsviertel blühen. Die Kurtisanen gehen ihrer Arbeit nach, und verdienen mehr Geld am Tag, als zehn Bauern in zehn Jahren.

Doch so schön sich das anhört. Keine Frau, die in einem Yoshiwara arbeitete, war frei. Selbst die Kurtisanen unterlagen den Befehlen eines männlichen Patrons, der über sie bestimmte.

Flucht aus dem Yoshiwara wurde aufs schärfste geahndet. Oft mit dem Tod.

 

Auch für hoch gestellte Kurtisanen wie diese "Tayu", war das Leben kein Zuckerschlecken

 

Für die niederen Dirnen war das Leben besonders schlimm.

Und so versteht es sich von selbst, dass kein Mädchen freiwillig dort arbeitete. Sie alle, selbst die Kurtisanen, wurden irgendwann als kleine Mädchen dorthin verkauft.

Doch es gab auch Frauen, die dort arbeiten wollten. Unter günstigen Umständen konnte das auch lohnend sein. Doch wie im Yoshiwara arbeiten, ohne der strengen Hand eines Patrons zu unterliegen?

Indem man etwas tut, wofür kein Patron nötig ist.

Diese Frauen wurden „Odoriko“ genannt. Sie arbeiteten auf der Strasse, und ihre Tätigkeiten beschränkten sich allein auf Künste wie Tanz, Gesang, Musizieren und anderes. Liebesdienste boten sie ihren Kunden nicht an. Damit wären sie unter die Kategorie der Dirne gefallen, und hätten sich in die Hände eines skrupellosen Bordellbesitzers begeben müssen. Private Prostitution war nämlich verboten.

Und dadurch, dass sie nicht für Geld mit Männern schliefen, blieben sie frei. Sie konnten die Vergnügungsviertel verlassen wann immer sie wollten, und waren nicht hinter den Mauern gefangen.

Dennoch gaben es immer wieder Mädchen, die mit ihren Kunden allein blieben. Dies taten sie beispielsweise, wenn die Zeiten schlecht waren, und sie unbedingt Geld brauchten.

Viele Odorikos wurden bei Razzien erwischt, und erlitten drakonische Strafen.

1735 kam es sogar soweit, dass die Odorikos verboten wurden, da sie vom Staat in eine Schublade mit den Dirnen gesteckt wurden.

 

Irgendwann, in der Mitte der Edo Zeit (1600-1868), bahnte sich eine Krise im japanischen Vergnügungswesen an. Die Besucherzahlen in den Vergnügungsvierteln gingen zurück. Den Geschäften drohte der Bankrott.

Und genau hier sahen die freischaffenden Odorikos ihre Chance, von der Strasse runter zu kommen. Sie nutzten die Krise aus. Die Besitzer der Teehäuser suchen zu der Zeit verzweifelt nach neuen, noch nicht dagewesenen Dingen, um ihre Geschäfte wieder anzukurbeln.

 

So belebt wie auf diesem alten Holzschnitt waren die Eingänge der Vergnügungsviertel in der grossen Krise nicht So belebt wie auf diesem alten Holzschnitt waren die Eingänge der Vergnügungsviertel in der grossen Krise nicht

Die Odorikos boten den Teehäusern also ihre Dienste an.

Doch da gab es ein Problem. Kein Teehaus hätte zu der Zeit eine von ihnen aufgenommen. Immerhin waren Odorikos noch immer offiziell verboten.

Wie konnten die Odorikos diese Hürde also umgehen?

Ganz einfach. Sie änderten ihren Namen.

Die Odorikos wollten eine Stelle in einem Etablissement. Aber gleichzeitig ihre Freiheit nicht verlieren.

Und die einzigen Personen, die so arbeiteten, waren die Geishas. Die männlichen Unterhalter.

Also nannten sie sich auch Geisha, und durften somit problemlos in Teehäusern arbeiten. Das war freilich nur möglich, weil die Teehausbesitzer nach jedem Zweig griffen der ihnen dargeboten wurde, und jede Möglichkeit ausprobierten, um neue Kundschaft anzulocken.

Und weibliche Geishas waren etwas Neues, noch nie Dagewesenes. In ihnen sahen die Teehäuser die Chance, das Geschäft wieder zum laufen zu bringen.

Und so schafften die Odorikos den ersehnten Sprung von der Strasse in die Teehäuser, wo sie sich von da an, an der Seite der männlichen Geishas verdingten, und die Männer unterhielten, die auf die Kurtisanen warteten.

Von Rechts wegen durften sie sich jedoch nicht Geisha nennen, da dieser Name für ihre männlichen Kollegen reserviert war.

Also nannten sie sich einfach „Onna-Geisha“.

Das bedeutet soviel wie „weibliche Geisha“.

 

Von Rechts wegen musste ihr Erscheinungsbild schlicht sein. Sie durften keine prunkvollen Kimonos und Frisuren tragen, wie die Kurtisanen, damit sie diesen keine Konkurrenz machten. Sexuelle Kontakte mit ihren Kunden war ihnen untersagt.

Und nun kommt der Knackpunkt. Der Moment an dem der Geisha-Beruf zu dem wurde, was er heute ist.

Während die männlichen und weiblichen Geishas ihrer Arbeit ehrenhaft nachgingen, begingen die Kurtisanen den Fehler, ihre künstlerischen Fähigkeiten zu vernachlässigen, und die Kunst allein den Geishas zu überlassen.

Sie lagen lieber auf der faulen Haut, anstatt zuzusehen, dass sie ihren Kunden weiterhin das boten, was sie von ihnen erwarteten.

 

Die Kurtisanen ahnten nicht, welche Folgen ihre Faulheit haben würde

 

Schliesslich kam es soweit, dass die Kurtisanen entgültig abrutschten. Sie konnten sich kaum mehr an die alten Tänze und Lieder erinnern. Ihre musikalischen Fähigkeiten verkümmerten.

Das einzige was sie noch immer konnten, war mit Männern zu schlafen.

Und schlussendlich wurde aus ihnen das, was sie ohnehin schon immer gewesen sind: „Prunkvoll verpackte Dirnen“.

Es versteht sich von selbst, dass kein Mann mehr auch nur einen Yen ausgab, um eine Kurtisane zu treffen. Sexuelle Befriedigung bekamen sie von den niederen Prostituierten für einen Bruchteil des Preises.

Und so kam es, dass eine Kurtisane nach der Anderen verschwand.

Doch die Teehäuser gingen dennoch nicht bankrott. Die Besucher strömten weiter in die Etablissements.

Und zwar wegen der weiblichen Geishas.

Sie hatten sich das bewahrt, was den Kurtisanen abhanden gekommen war.

Mit ihrer schlichten Eleganz, und ihren künstlerischen Fähigkeiten, begeisterten sie die Männerwelt, und brachten den Teehäusern nie dagewesenen Ruhm.

Sie schmückten sich nicht mit riesigen Kimonos und zentimeterdicker Schminke, wie die Kurtisanen sie trugen. Geishas hatten das nicht nötig. Sie überzeugten durch ihre Fähigkeiten. Und das überzeugte die Menschen.

 

Schon bald hatten sie die männlichen Geishas verdrängt, und beanspruchten den Titel „Geisha“ allein für sich.

Nun kamen die Männer nur noch ins Teehaus, um sich von den Geishas unterhalten zu lassen.

Und irgendwann verschwanden die Kurtisanen völlig von der Bildfläche.

Sexuelle Praktiken wurden aus den Etablissements verbannt, und so wurden die Teehäuser und Geishas zu dem, was sie heute sind.

 

So. Nun haben wir geklärt, wo der Geisha-Beruf herkommt

Ich denke daraus sollte ersichtlich sein, dass Geishas keine Prostituierten sind.

Schon allein um sich von ihren Vorgängerinnen, den Kurtisanen, abzugrenzen, würden Geishas so etwas nie tun.

Die Dienste der Geisha beschränken sich auf banalere Dinge wie das Anzünden von Zigarren Die Dienste der Geisha beschränken sich auf banalere Dinge wie das Anzünden von Zigarren

Geishas sehen sich vielmehr als Bewahrerinen an. Als Bewahrerinen der alten japanischen Künste. Allen voran, Menschen zu unterhalten, und ihnen Kurzweil zu verschaffen.

Würde eine Geisha von einem Mann ein schmutziges Angebot erhalten, so würde sie ihn zurückweisen. Das ist der schlimmste Bruch mit der Ehre, den eine Geisha sich vorstellen kann.

                    Einen weiteren Beweis dafür, dass Geishas keine Prostituierten sind,

                                           sehen wir auf dem unteren Bild

Links sehen wir eine Kurtisane mit zwei ihrer Lehrlinge. Rechts sehen wir Geishas.

Wenn wir das Bild betrachten, fallen uns erst einmal zwei gravierende Unterschiede auf.

 

Erstens. Die Kurtisane ist viel prunkvoller als die Geishas. Geishas sind sehr schlicht in der Kleidung, wie in der Frisur.

Jeder hat nun das Bild der Geisha mit schmucküberladener Perücke und riesigem, bunten Kimono mit langen Ärmeln im Kopf.

Diese gibt es zwar auch. Doch dabei handelt es sich nicht um Geishas, sondern um Maikos. Maikos werden Geishas während ihrer Lehrzeit genannt. Am Anfang sind sie sehr prachtvoll. Doch mit den Jahren legen sie Schmuckstück um Schmuckstück ab. Die Ärmel werden immer kürzer, die Kimonos schlichter. Und wenn sie die entgültige Reife erlangt haben, präsentieren sie sich in schlichter Eleganz. Dann sind sie eine Geisha.

 

Zweitens. Wie wir unschwer erkennen können, sitzt der Knoten des Gürtels, des so genannten Obis, bei der Kurtisane vorne auf dem Bauch. Alle Prostituierte hatten die Knoten vorn, damit sie sie leichter für ihre Freier öffnen und wieder schliessen konnten.

Geishas, haben den Knoten auf dem Rücken. Damit zeigen sie, dass sie nicht für sexuelle Dienste zu haben sind.

 

Ich habe, seit ich mich mit Geishas beschäftige, schon vielen Menschen das berichtet, was ich hier niedergeschrieben habe.

Doch ich musste oft feststellen, dass der Glaube, Geishas seien Prostituierte, fest in den Köpfen vieler Menschen verwurzelt ist.

Das hat durchaus seine Hintergründe.

Die Vergangenheit der Geishas ist eng mit der der Kurtisanen verknüpft, die ja Prostituierte waren.

Auch dass der Beruf der Geisha aus dem der Odoriko hervorgegangen ist, welche oft mit ihren Kunden schliefen, schürt diesen Irrglauben.

Wenn man einem solchen Menschen erklärt, dass dem nicht so ist, und ihm die wahren Umstände dalegt, kommen oft Bemerkungen wie: "Aber eine Geisha kann sich doch mit einem Kunden treffen, nachdem ihre Dienstzeit vorüber ist."

Das stimmt. Es mag durchaus Geishas geben, die der Verlockung des Geldes nicht widerstehen können. Sicher gibt es auch Geishas, die sogar während ihrer Dienstzeit mit ihren Kunden im Hinterstübchen verschwinden.

Doch wenn eine Supermarktarbeiterin von einem Mann Geld für sexuelle Dienste bekommt, sagt man doch auch nicht automatisch: Alle Frauen die in Supermärkten arbeiten sind Prostituierte.

Also sollte man den Geishas dieses Unrecht auch nicht antun.

Es ist ein Beruf wie jeder andere auch.